wort
des lebens
August 2010
Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. (Lukas 1,45)
Dieses
Wort stammt aus einem ebenso einfachen wie außergewöhnlichen Moment:
der Begegnung von zwei werdenden Müttern, die geistlich und körperlich
mit ihren Kindern
engstens verbunden sind. Während sich die ersten
Worte Elisabets direkt an die Mutter Jesu richten, sind die letzten in
der dritten Person formuliert: "Selig ist die, die geglaubt hat."
So
bekommt Elisabets Aussage eine allgemeingültige Bedeutung. Diese
Seligpreisung gilt allen Glaubenden; sie betrifft all diejenigen, die
das Wort Gottes annehmen und es ins
Leben umsetzen. In Maria findet sie ihr Vorbild.1)
"Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ."
Dies
ist die erste Seligpreisung des Evangeliums, die Maria gilt und mit ihr
allen, die ihrem Beispiel folgen wollen. In Maria gibt es eine enge
Verbindung zwischen Glaube und ihrer Mutterschaft, die vom Hören auf
das Wort Gottes kommt. An einer späteren Stelle des Lukasevangeliums
wird deutlich, dass dies auch für uns gilt. Dort sagt Jesus: "Meine
Mutter und meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach
handeln" (LK 8,21).
Elisabet nimmt dieses Wort Jesu gleichsam
vorweg. Erfüllt vom Heiligen Geist bringt sie zum Ausdruck, dass alle,
die Jesus nachfolgen, "Mutter" des Herrn werden können. Einzige
Bedingung: an das Wort Gottes glauben und danach leben.
"Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ."
Maria
hat ein uneingeschränktes Ja zu Gott gesagt. Darin vor allem besteht
ihre Heiligkeit und Größe. Wenn Jesus das fleischgewordene Wort ist,
dann ist Maria wegen ihres Glaubens an das Wort gelebetes Wort - dabei
allerdings ein Geschöpf wie wir.
Marias Rolle als Mutter Gottes
ist erhaben und großartig. Aber Gott ruft nicht nur sie, Christus in
sich Fleisch werden zu lassen. Jeder Christ ist gerufen, Christus
in sich leben zu lassen, um mit Paulus sagen zu können: "Nicht mehr ich
lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20).
Wie gelingt das?
Es gelingt, wenn wir die gleiche unbegrenzte Verfügbarkeit dem Wort
Gottes gegenüber haben, die Maria auszeichnet. Glauben wir daher wie
sie, dass sich alle Verheißungen bewahrheiten, die die Worte Jesu
enthalten, selbst wenn sie absurd scheinen.
Wer seinem Wort glaubt, erlebt kleine und große Wunder. Man könnte ganze Bücher mit Beispielen füllen, die dies belegen.
Wie
könnten wir vergessen, wie wir während des Krieges im Glauben an das
Wort Jesu "Bittest, dann wird euch gegeben" (Mt 7,7) um all das gebeten
haben, was die vielen Armen in unserer Stadt benötigten, und daraufhin
Säcke voller Mehl, mengenweise Milch, Marmelade, Brennholz und Kleidung
erhielten.
Auch heute geschehen ähnliche Dinge. "Gebt, dann wird
auch euch gegeben werden" (Lk 6,38), heißt es im Evangelium. So werden
die "Vorratskammern der Nächstenliebe" immer aufs neue gefüllt sein,
nachdem sie für die Bedürftigen gleert wurden.
Am meisten
beeindruckt, dass sich die Worte Jesu immer und überall bewahrheiten.
Die Hilfe Gottes kommt zur rechten Zeit, bis in die letzten Winkel der
Erde, auch dann, wenn es die Umstände unmöglich erscheinen lassen. So
erging es einer Mutter, die in großer Armut lebte. Sie hatte ihr
letztes Geld jemandem gegeben, der noch ärmer war als sie. Sie glaubte
an die Zusage "Gebt, dann wird euch gegeben werden" und hatte deshalb
großen inneren Frieden. Kurze Zeit später kam ihre jüngste Tochter nach
Hause und zeigte ihr,
was ihr soeben von einem Verwandten geschenkt
worden war: In ihrer kleinen Hand hielt sie ein Vielfaches des
verschenkten Geldes.
"Kleine" Erfahrungen wie diese bestärken
uns, dem Evangelium zu glauben. Jeder kann jene Freude und jenes Glück
erfahren, die sich einstellen, wenn sich die Zusagen Jesu erfüllen.
Öffnen
wir unser Herz täglich für die Begegnung mit dem Wort Gottes. Tun wir
das, was Jesus von uns möchte, und glauben wir daran, dass er hält, was
er verspricht. Wie Maria und die eben erwähnte Mutter werden wir
entdecken, dass er nicht zögert, seine Versprechen wahr zu machen.
Chiara
Lubich
1) vgl. Gerard Rossé, II Vangelo di Luca, Roma 1992, p. 67
Dieser Kommentar von Chiara Lubich (1920-2008) wurde erstmals im August 1999 veröffentlicht.
Imprimatur d. Erzb. Ordinariates Salzburg, Prot. Nr. 07/2010
www.fokolare.at
Zurück