PREDIGT

5. September 2010: 23. Sonntag im Jahreskreis  (C)

Gott braucht keine Zuschauer, sondern Mitarbeiter

 

Wieder besuchte er die Kirche und hörte im Evangelium den Herrn sprechen: Sorgt euch nicht um morgen. Er ging hinaus und gab auch den Rest seines Besitzes den Armen. Die junge Schwester vertraute er bekannten, zuverlässigen Frauen an, die sich um ihre Erziehung kümmern sollten. Er selbst widmete sich von nun an ganz Gott.“ Mit diesen Worten berichtet der Kirchenvater Athanasius im 4. Jahrhundert über die Bekehrung des Mönchsvaters Antonius. Antonius setzt, nachdem er das Wort der Schrift gehört hat, dessen Aufruf sofort mit aller Radikalität in die Tat um. Er gibt seinen ganzen Besitz weg. Ja, er löst sogar seine familiären Bande, indem er sich von seiner jungen Schwester trennt. Nur eines hat er im Sinn: ganz in Gottes Dienst zu treten.

Das Beispiel des Antonius hat in der Geschichte des Christentums eine Reihe von Nachahmern gefunden wie Augustinus, Franz von Assisi und Ignatius von Loyola. Sie alle haben sich von ihrer bisherigen Lebensführung verabschiedet.

Nur sehr wenige von uns können und wollen in dieser Radikalität das Evangelium leben. Und doch fordert uns Jesus immer wieder auf, in seine Nachfolge zu treten. Dass dies kein einfaches Unterfangen ist, sondern den ganzen Menschen erfordert, darauf will unser heutiges Evangelium aufmerksam machen.

In unserer Perikope befindet sich Jesus auf dem Weg nach Jerusalem. Während er sich auf dem Weg befindet, lehrt er die ihn begleitenden Menschen. Viele von ihnen möchten sich ihm anschließen. Sie möchten mehr von Jesus hören. In dieser Situation wendet sich Jesus an diese Personengruppe mit seinen Anforderungen. Jesus will, dass die Menschen sich für das Reich Gottes öffnen, sich ihm anschließen. Er verdeutlicht, dass diese Antwort auf den Anruf Gottes den ganzen Menschen erfordert und anspruchsvoll ist. Jesus spricht Klartext; er verheimlicht nichts.

Jesus fordert im Evangelium dazu auf, Gott in den Mittelpunkt unseres Lebens zu stellen. Alle anderen Dinge, an denen Menschen hängen, sollen zurücktreten.

Wird die Nachfolge Christi ernst genommen, so muss alles, was im eigenen Leben einen besonderen Stellenwert beansprucht – Familie, Besitz, Beruf u.a. – vom Mittelpunkt der Gottesbeziehung aus gesehen und beurteilt werden.

Vielleicht denken jetzt manche von ihnen: Und das soll eine frohe Botschaft sein?! Nun, ist es klar: Jesus will ermahnen, er will die, die ihm nachfolgen, aufrütteln. Ein solches Unternehmen kann und wird nicht jedem gefallen. Der Ernst der Nachfolge soll allen in Erinnerung gerufen werden. Allzu leicht sind wir gerade als Christen geneigt, Gott einen guten Mann sein zu lassen und ihm eine oder zwei Stunden in der Woche zu reservieren. Wenn Gott in unserem Alltagsleben eine Rolle spielt, dann kann von einer bewussten Nachfolge gesprochen werden.

Im Blick auf Gott sollen wir unser Leben meistern und es auf die Gottesbeziehung aufbauen. Gott braucht keine Zuschauer, sondern Mitarbeiter.

 

Das heutige Wort Gottes fordert uns auf zu überprüfen, wo wir in der Beziehung mit Gott stehen.

So lade ich sie ein in der kommenden Woche darauf zu achten. Wo lebe ich als Mitarbeiter Gottes und wo lebe ich als Zuschauer.